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Um kein Theater machen zu müssen, sprechen die Mitglieder von Showcase Beat Le Mot viel miteinander. Sie kochen und schieben Sessel und Sofas zu Landschaften zusammen, damit Zuschauer sich entspannen können, während sie auf einen Anfang warten. Unterdessen streiten sie sich mit den Sicher­ heitsbehörden um offenes Feuer, Zigaretten, warmen Alkohol und explodie­ rendes Gemüse. An der Spree haben sie sich ein eigenes Theater gebaut, das nur aus Fenstern besteht, um sich nach 19 Jahren Arbeit in abgedunkelten Theaterräumen vom Lichtmangel zu erholen. Wenn alle Fenster geöffnet sind, existiert ihr Theater nicht mehr, und die Vögel lassen sich vom Wind hindurch­ tragen, auf ihrem Weg Richtung Süden. Wenn sie proben, sieht es aus als wür­ den sie schlafen, und umgekehrt. Denn das Geschriebene existiert schon, und das Gespielte gibt es irgendwo im Netz. Also denken sie sich Rätsel für das Publikum aus oder spielen Spiele wie Blindenfußball. Sie lassen die Theater­ türen offen, damit Durchzug herrscht und die Gedanken nicht wie schwer gefrorene Brocken aufs Parkett donnern. Sie mögen die Vergangenheit und die Zukunft, weil sie von der einen lernen und von der anderen träumen. An die Gegenwart glauben sie nicht, denn das Konzept der linearen Zeit ist nur ein eser Trick, um die Menschen zu knechten und zum frühen Aufstehen zu zwingen. Am Rand der Zeit stellen sie ein Bett auf und zwingen wechselnde Themen unter ihre Decke. Sind sie zu lang, werden sie gekürzt. Sind sie zu kurz, werden sie verlängert. Wenn sich die Gruppe aber einmal in Bewegung setzt, rumpelt sie wie ein hölzerner Belagerungsturm den Hügel hinunter und ist von keiner Gebäudeform mehr aufzuhalten. Dann entsteht Kunst ohne Auf­ trag, dafür aber mit einer Botschaft – als Flaschenpost, Menetekel oder Song. Das vierköp ge Performancekollektiv Showcase Beat Le Mot gründete sich 1997 aus den Angewandten Theaterwissenschaften in Gießen heraus. Das Werkverzeichnis von Showcase Beat Le Mot umfasst weit mehr als 20 Produk­ tionen, 5 Regiearbeiten, 3 Musikvideos, 2 CD s , mehrere Kongresse und unzählige Workshops. Sie haben in Antwerpen, Berlin, Bern, Bitola, Bochum, Bologna, Bonn, Braunschweig, Bremen, Cardiff, Düsseldorf, Dresden, Erlan­ gen, Frankfurt a. M., Graz, Halle, Hamburg, Hannover, Helsinki, Jena, Köln, Kopenhagen, Krakau, Krems, Leipzig, Linz, Ljubljana, Mainz, Monastir, Mülheim, München, Münster, Nürnberg, Oldenburg, Oberhausen, Oslo, Paris, Rijeka, Sarajevo, Split, Stockholm, Tallinn, Turku, Trondheim, Warschau, Wien, Utrecht, Zadar, Zagreb und Zürich ihre Sachen gezeigt.